Chronik


Geschichte und Entwicklung

 

1922-1923

Vor dem 1. Weltkrieg gab es im Bezirk Reutte kein Krankenhaus und daher auch keine Krankentransportorganisation. Die meisten verunglückten bzw. schwerkranken Patienten wurden mit einem Fuhrwerk zum nächsten Arzt transportiert, von wo aus sie bei größeren Komplikationen mit einem Sanitätsauto der Stadt Füssen in das Krankenhaus Füssen weiter transportiert wurden. Damit nun die Bevölkerung von Reutte und des gesamten Bezirkes laufend vom Samariterdienst der Stadt Füssen betreut werden konnte, stellte die Stadt Füssen im Jahre 1922 an den Gemeinderat von Reutte folgenden Antrag: „Anschaffung eines Sanitätsautos im Verein der Stadt Füssen. Die Gemeinde Reutte hätte das Gestell und den Motor des Wagens, die Stadt Füssen die Karosserie, Gummi, den Lenker und 2 Sanitätsmänner beizustellen. Besitz des Autos je zur Hälfte.“

Am 23. April 1923 konnte erstmalig das Sanitätsauto der Stadt Füssen und des Marktes Reutte in Tätigkeit treten und den ersten Kranken von Füssen nach Reutte befördern.

1927

Um die Gründung einer freiwilligen Rettungsgesellschaft zu ermöglichen, mussten mehrere Männer zur Hilfeleistung zur Verfügung stehen. Daher erging an die Bevölkerung von Reutte am 23. März im Außerferner Boten folgender Aufruf:

AUFRUF! Die Schaffung einer freiwilligen Rettungsgesellschaft für den Bezirk Reutte ist nun Wirklichkeit geworden, und ein bereits zweckentsprechendes Krankentransportauto wurde bestellt. Es besteht nun die dringende Notwendigkeit, dass sich für erste Hilfeleistungen und den Krankentransport geeignete Herren vom 20. Bis 50. Lebensjahre zur Verfügung stellen, welche einen Kurs – 2 Stunden wöchentlich – mitmachen, um die Verbände und das Tragen der Kranken praktisch zu erlernen.

Am 26. Juni 1927 wurde die freiwillige Außerferner Rettungsgesellschaft in den Tiroler Samariterbund aufgenommen.

1934

Im Jahre 1934 wurden folgende Transporte durchgeführt:

  • 199 Kranke
  • 13 Infektionskranke
  • 5 Geisteskranke
  • 93 Unfälle

Insgesamt wurden 8.426 Kilometer gefahren. Die Einnahmen betrugen 9.196,42 Schilling.

1938-1945

Im Jahre 1939 wurde ein neuer Krankenwagen angeschafft und im Jahr 1941 wurde trotz heftiger Proteste der Landesstelle Salzburg vom Obmann Dr. Tschiderer ein Baugrund in günstiger Lage in Reutte gekauft, um den nicht mehr aufschiebbaren Bau eines DRK-Rettungsheimes zu ermöglichen.

Leider liegen durch die Wirren des Krieges fast keine Aufzeichnungen aus dieser Zeit auf.

Es entstand im Jahre 1940 eine Frauenbereitschaft, die nicht nur im Krankenhaus Dienst machte, sondern auch den Dienst im Rettungsauto übernehmen mussten, da die Männer in den Krieg eingezogen worden.

1945-1954

AR Franz Birner, Geschäftsführer der Wache Reutte (während des 2. Weltkrieges) sowie Bezirksstellenleiter von 1945-1954.

1954-1966

Es konnten 1954 die beiden ersten VW-Krankenwagen angeschafft werden und man bezog das Rettungsheim in der Innsbruckerstraße. Personalstand: 2 hauptamtliche Fahrer und 21 Helferinnen und Helfer und der Bezirkssekretär besetzten die Dienststelle.

OSR Dr. Ernst Knirsch, Bezirksstellenleiter von 1954-1977 (der am längsten dienende Bezirksstellenleiter) wurde für seine Verdienste im Jahre 1977 zum Ehrenobmann der Bezirksstelle ernannt.

Toni Gratl war Bezirkssekretär von 1962-1984.

1966 konnte der Jahresbericht eine stolze Bilanz aufweisen: es wurden bei 1.721 Ausfahrten bei Tag und 452 bei Nacht 100.489 Kilometer zurückgelegt und dabei 16.105 freiwillige Dienststunden absolviert.

1966 wurde die Ortsstelle Elbigenalp gegründet.

1967-1977

Einsatzdaten von Reutte 1973: 5 Krankenwagen, 45 Männer und 1 Frau als freiwillige Helfer; 141.661 km; 3.407 Ausfahrten; 30.912 Arbeitsstunden bei Tag und 5.558 bei Nacht.

Einsatzdaten von Elbigenalp 1976: 1 Krankenwagen, 20 freiwillige Helfer; 16.600 km; 181 Ausfahrten; 1.867 Arbeitsstunden.

1974 konnte durch eine großzügige Spende des Lionsclub Reutte die 1. Rettungs- schere in Österreich angeschafft werden (140.000,- Schilling).

1977-1985

 

1978 erhöhte sich die Mitgliederzahl auf 4.910, somit stand Reutte an der Spitze im Land Tirol. Die Hauskrankenpflege (1.202 Stunden) und Essen auf Rädern wurde vermehrt in Anspruch genommen, es wurde die 1. Familienhelferin angestellt, die sehr gut angenommen wurde.

1979 standen dem Sozialdienst 13 Diplomschwestern, 4 Hauskrankenpflegerinnen und 2 Familienhelferinnen zur Verfügung.

Der wohl größte Katastropheneinsatz für die Bezirksstelle Reutte war am 5.-8.12.1980 im Erdbebengebiet Süditalien. 10 freiwillige Mitarbeiter aus Reutte verpflegten den 100 Mann starken Konvoi.

1982 führte Reutte zum zweiten Male einen int. Erste-Hilfe-Wettbewerb mit 81 Mannschaften aus sechs Nationen durch.

Durch den überaschenden Rücktritt des bisherigen Bezirksstellenleiters musste in einer außerordentlichen Generalversammlung ein neuer Obmann gewählt werden.

1985 wurden 8.348 Rettungsfahrten mit 357.459 km durchgeführt. Von den freiwilligen Helferinnen und Helfern wurden dabei 54.138 Stunden geleistet. Der Fuhrpark bestand aus 11 Sanitätswagen und 2 PKW.

Am 1. Juni 1985 erfolgte die Übersiedlung in die soeben fertiggestellten Diensträume. Ab diesem Zeitpunkt konnte der Funk Tag und Nacht besetzt werden.

2011-2012

Das neue Tiroler Rettungsgesetz brachte neben der Ausschreibung auch für den Bezirk große Veränderungen. Die RD GmbH (Rotes Kreuz, Johanniter, Arbeiter Samariterbund) bekam den Zuschlag für den Tiroler Rettungsdienst. Am 14. Oktober 2011 um 19:00 wurde der Bezirk Reutte an die Leitstelle Tirol angeschlossen und ab diesem Zeitpunkt wurden die Einsätze und Krankentransporte von Innsbruck aus alarmiert und disponiert.

2012 trat der langjährige Bezirksstellenleiter Dr. Saxl zur Wiederwahl nicht mehr an und so musste im 2012 ein neuer Vorstand gewählt werden. Neuer Bezirks- stellenleiter wurde Mag. Dr. Matthias König, zu seinen Stellvertretern wurde der Bürgermeister von Ehenbichl Wolfgang Winkler und der Leiter des AMS Klaus Witting gewählt.

2013

Das Jahr 2013 stand ganz im Zeichen der Großunfall- und Katastrophenhilfe in Übung und Relaität. Das Großunfall- und Katseminar fand dieses Jahr in Reutte statt (jedes Jahr in einem anderen Bezirk) und wurde mit dem Hochwasser Anfang Juni zur Realität. Unsere Sanitäter wurden zum Einsatz nach Rosenheim (Deutschland) alarmiert und ca. 45 Mann/Frau folgten dieser Alarmierung. Im November wurde dann in der Ehrenberger Klause der „Tag der Katastrophenhilfe“ mit Ausmusterung der neuen Einsatzleiter und verschiedenen Vorträgen abgehalten.

2014-2016

Das Jahr 2014 begann für den Vorstand mit viel Arbeit im Bereich Sozial- und Gesundheitssprengel. Es wurde erst Ende Jänner bekanntgegeben, dass der Sozialdienst bestehen bleibt. Aus diesem Grund wurde auch mit dem großen Umbau der Bezirksstelle Reutte zugewartet – der aber dann Ende Februar begonnen hat. Der Rettungsdienst wird in den 1.Stock (ehem. Wohnung) übersiedeln, der Sozialdienst kommt ins EG (eh. Leitstelle). Mit 01. April wird auch die neue Betriebsstruktur mit Stellenbeschreibungen für alle wichtigen Posten eingeführt. Neuer Leiter Rettungsdienst wird Inwinkl Andreas, als Wacheleiter Reutte wurde Koch Albert bestimmt, Wacheleiter Ehrwald wird Malli Johann, in Tannheim übernimmt diese Funktion Wolf Norbert und in Elbigenalp fungiert als neuer Wacheleiter Schmidt Robert. Bezirksrettungskommandant bleibt Kerber Philipp, sein Stv. ist Malli Johann. Mitte August war es dann soweit: der Umzug des Rettungsdienstes in die neuen Räumlichkeiten konnte beginnen. Nach monatelangem Umbau mit viel Verständnis aller Mitarbeiter konnten die neuen Räume bezogen werden. Es war auch etwas Wehmut dabei, nach knapp 30 Jahren die „alte Wirkungsstätte“ zu verlassen. Im Jahr 2015 gab es einige Veränderungen: der Bezirksrettungskommandant Kerber Philipp und der Bezirksausbildungsreferent Holzmann Martin haben aus persönlichen Gründen gekündigt, als neuer Bezirksrettungskommandant wurde der Leiter Rettungsdienst Inwinkl Andreas bestellt, als neuer Bezirksausbildungsreferent und Stellvertreter des Bezirksrettungskommandanten wurde Schedler Bertram bestellt. Ein Höhepunkt war die Landeskatastrophenübung vom 10.-13.09 in Reutte und Umgebung. Nach einer Vorbereitungszeit von nur 5 Wochen wurden insgesamt 8 Szenarien (beginnend in der Nacht) von ca. 500 Einsatzkräften (Rotes Kreuz, Feuerwehren, Bergrettung, 3 Hubschrauber, Wasserrettung) abgearbeitet. Zugsunglück (100 Betroffene), Traktorabsturz, Halleneinsturz, Rock Fete am Plansee (über 100 Betroffene), Windenbergung von der Highline, Grillparty am Heiterwangersee, Blitzeinschlag am Kreckelmossersee, Gondelbergungen am Hahnenkamm. Im November 2015 legte der Ausschuss der Ortsstelle Reutte alle seine Funktionen zurück, ein neuer Ausschuss wurde dann in weiterer Folge am 04.03.2016 gewählt. Die Flüchtlingswelle machte auch vor uns nicht Halt. Einige freiwillige Mitarbeiter meldeten sich für einen Einsatz in Wien und im Burgenland. Im Bezirk standen wir vor der Realisierung eines Flüchtlingszeltes in Pinswang (für Menschen auf der Flucht), das dann aber wieder zurückgezogen wurde. Beim Weihnachtsmarkt in Reutte konnte unsere KAT-Küche wieder schmackhafte Ziachkiachl anbieten. Mit 01. Jänner 2016 wurde der Sozial- und Gesundheitssprengel Ausserfern selbstständig und vom Roten Kreuz Reutte abgekoppelt. Für die Neuwahlen der Bezirksführung im April 2016 steht der dzt. Vorstand nicht mehr zur Verfügung – sie wechseln in den Vorstand des Sozial- und Gesundheitssprengels Ausserfern. Am 04.03. wurde ein neuer Ausschuss für die Ortsstelle Reutte gewählt. Als neuer Ortsstellenleiter fungiert Hämmerle Manuel, Stv. ist Schedler Katrin, Schriftführerin: Wangg Waltraud und als Stv. Gruber Evelyn, die Funktion als Kassier übernimmt Dengel Philipp, als Stv. Dengel Benedikt.

Bei der Jahreshauptversammlung am 23.Mai 2016 hat sich der Vorstand einer Wiederwahl nicht mehr gestellt – deswegen musste im Vorfeld eine komplett neue Mannschaft gesucht werden. Dies ist auch gelungen – der neue Vorstand besteht aus: Bezirksstellenleiter: Ginther Jürgen; Bezirksstellenleiter-Stv.: Scheucher Stefan; Finanzreferent: Mag. (FH) Ostheimer Alexander; Chefärztin: Dr. med Wex Franziska; Referentin für Öffentlichkeitsarbeit: Rosen Elisabeth;